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Produktions-Tagebuch –
der Aufnahmetag

Zunächst ist Kaffeetrinken in Wolfgang von Henkos gemütlicher Küche angesagt, man plaudert noch ein bisschen, bevor die letzten Fragen durchgegangen werden. Soundcheck im Studio, Mikros einrichten, los geht's.

Gerhard Garbers liest den Anfang der Geschichte zum "Warmwerden", wird dies aber am nächsten Tag noch mal tun, wenn er richtig "drin" ist. Wolfgang von Henko bedient die Technik, achtet auf saubere Klänge und bekommt die Geschichte so völlig unvoreingenommen mit, da er nur übers Ohr dabei ist, ohne Text.

Wie immer ist Gerhard Garbers sehr gut vorbereitet: Er kennt den Text ganz genau, stellt zwischendurch Fragen oder macht Vorschläge. Die Regisseurin Angelika Schaack achtet auf saubere Aussprache, Betonungen, Sprachfärbung, Intonation: "Bitte noch einmal ab..." – "Woll'n wir lieber das Wort xxx betonen..." – "Jetzt ist die Stimme zu tief!" – "Das war jetzt eher die Stimme von Bleeker." Garbers arbeitet hochkonzentriert, verspricht sich selten, bietet von etlichen Passagen oder Sätzen gleich mehrere Varianten an, verbessert sich selbst gelegentlich. Bei ihm gibt's keine Schmatzer, Atmer oder sonstige Nebengeräusche. Die Regisseurin zeichnet die Schnitte in ihr Manuskript ein und notiert sich die geeignetsten Varianten.

Zwischendurch gibt's kleine Verschnaufpausen und eine größere Pause zur Stärkung (mit den wunderbaren Brötchen vom Portugiesen und Kaffee). Nach fast fünf Stunden ist Schluss – und noch zwei weitere Aufnahmetage folgen. Nach drei Tagen gibt es mehr als 10 Stunden Rohmaterial, das auf CDs überspielt wird. Angelika Schaack nimmt das aufgenommene Material mit und begibt sich anschließend "in Klausur" zum Schneiden, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Nach ein paar Tagen ruft Gerhard Garbers an und fragt, ob alles in Ordnung ist, ob Nachaufnahmen nötig sind, ob denn die Länge voraussichtlich hinkommt, ob die Intention der Geschichte wirklich hörbar wird...

Das Studio von Wolfgang von Henko ist der ideale Aufnahmeort für die HÖRCOMPANY. Von Henko ist Musiker, u.a. am Thalia-Theater, und auch Filmmusiker. Er verfolgt die Geschichten nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich und künstlerisch. Für die "Wilde Charlotte" hat er ein Piratenlied komponiert und am Ende der Aufnahmen zu der von ihm komponierten Musik vorgesungen. "Ein paar Mal haben wir es gemeinsam mitgesungen, dann hat Gerhard Garbers es mit wunderbarer Piratenstimme nachgesungen", erzählt Angelika Schaack. "Wochenlang hatten wir den Refrain im Ohr: Heia, Charlotte singt ein jeder laut, heia Charlotte, tapfre Seemannsbraut." (Die "Wilde Charlotte" ist das seltsame Piratenschiff, das schwimmen und fliegen kann...) Später hat von Henko noch den Chor der Piratenmannschaft daraus gezaubert.

Der Schnitt ist fertig: Kontrollhören, Änderungen einbringen, Pausen einfügen, ein paar Sätze müssen noch gekürzt werden, damit der Umfang von 3 CDs nicht gesprengt wird. IDs für die Tracks setzen, Laufzeiten usw. ins Booklet übertragen, Reinzeichnungen der Grafikerin zum Belichter bringen. Die Kinder von Angelika Schaack (5, 11 und 14 Jahre alt) und von Andrea Herzog (14 und 18) sind sehr neugierig, was aus ihrem Vorschlag geworden ist, und hören die Rohfassung ab. Von Henko filtert noch Geräusche heraus, stimmt die Pegel genau ab und mastert schließlich die CDs, d.h. er erstellt die Endversionen. Diese Master-CDs und die Filme für die Drucksachen (Inlays, Booklet, CD-Label) werden schließlich zum Presswerk geschickt. Nun wird aufgepasst, dass die Auslieferungstermine eingehalten werden und die CDs rechtzeitig zur Auslieferung, zum Vertrieb und zur HÖRCOMPANY geschickt werden.

Dann die Aufregung: Die ersten Vorabexemplare kommen aus dem Presswerk. Wie sieht das Hörbuch aus? Sofort abhören!

Alle sind hochzufrieden. Die Grundstimmung kommt sehr gut rüber: Allein mit der Stimme schafft Garbers die Atmosphäre der von deutschen Bomben bedrohten englischen Stadt, macht die Auswirkungen des Krieges auf die Kinder lebendig. "Immer und immer wieder hören wir die anrührenden Passagen vom Schiffsuntergang, vom Überlebenskampf im eisigen Wasser, von Hoffnung und Verzweiflung. Die Sprache ist so bildreich, Gerhard Garbers Stimme so eindringlich, dass wirklich innere Bilder aufsteigen", erinnert sich Andrea Herzog.

Die schreckliche Kälte ... die Dämmerung von der gelben Farbe einer Steckrübe... Vater Rigby hatte Unrecht, die Hölle besteht nicht aus ewigem Feuer, sondern aus Salz und Nässe und Kälte, schrecklicher schrecklicher Kälte ... Ich erinnere mich an Träume... warte auf den Volltreffer... Ich fliege hoch über den Wellen, die Arme ausgebreitet, wie Flügel. Ich schaue nach unten, und das Meer ist mit Blumen übersät, orange und blau ... Und dann merke ich, dass es gar keine Blumen sind, sondern tote Kinder in ihren Schwimmwesten, die Gesichter blau wie Blumenblüten ...
Es ist kalt, kälter als ein Eisbärenarsch ...


Hörprobe
in RealAudio
Da ist es: das berühmte "Kino im Kopf", das so faszinierend ist, weil es in jedem Zuhörer ganz eigene Bilder aufsteigen lässt. Die Kinder von Angelika Schaack und Andrea Herzog bestätigen: "Es ist toll, sich vorlesen zu lassen. Es ist so gemütlich, auf dem Bett zu liegen und Geschichten zu hören!" WISH ME LUCK hat sie noch mehr in den Bann gezogen als beim Lesen. Manche Stellen werden wieder und wieder gehört. Hören ist auch etwas für Kinder und Jugendliche, die aus dem "Vorlesealter" längst raus sind. In Hamburg stehen Besuche von Lesungen und Theatern auf dem Programm, um Stimmen zu hören und einordnen zu können. Aber auch Büroarbeiten und die Aufbereitung der Belege für die Buchhaltung müssen erledigt werden.

Während der Produktion wird übrigens schon über das nächste Programm nachgedacht. Die HÖRCOMPANY sichtet Verlagsprospekte, recherchiert im Internet, spricht mit Buchhändlerinnen und Bibliothekarinnen, hört Radio und viele, viele Hörbücher, lässt Stimmen auf sich wirken. Neue Bücher werden bestellt und gelesen, besondere Titel ausgewählt, Verlage angerufen, Rechte angefragt, Angebote ausgearbeitet.

Und das gleiche Spiel beginnt von neuem ...


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