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Produktions-Tagebuch –
von den ersten Ideen bis zum fertigen Hörbuch

Einfach mal eben so ein Buch herunterlesen, auf CD aufnehmen und ab damit in den Handel? So einfach ist das nicht! Lest am Beispiel von "Wish Me Luck" vom Verlag HÖRCOMPANY aus Hamburg, welche Vorbereitungen eine Hörbuch-Produktion erfordert.

Hörcompany Ganz am Anfang steht die Suche nach der richtigen Vorlage: Welche Geschichten sprechen einen persönlich an? Welche Texte lassen Bilder in uns aufsteigen, das berühmte "Kino im Kopf"? Angelika Schaack und Andrea Herzog von der HÖRCOMPANY (Foto) machen das so: "Wir lesen Absätze laut, überlegen, wie der Text gesprochen wirkt, und fragen auch unsere Kinder und deren Freundinnen und Freunde, wie sie das Buch finden." Außerdem ist die Programmplanung zu bedenken: Passt die Geschichte zum Profil der HÖRCOMPANY und zu den anderen geplanten Titeln?

Ganz wichtig ist die Frage nach der Stimme. Nicht jede Stimme ist für jeden Text geeignet. Welcher Sprecher könnte diese Geschichte, die in England im Zweiten Weltkrieg spielt und sowohl anrührende als auch raue und dramatische Szenen hat, am besten interpretieren? Unterschiedliche Stimmen transportieren unter Umständen ganz unterschiedliche Atmosphären. Die HÖRCOMPANY entschied sich bei "Wish Me Luck" vom irischen Autor James Heneghan für den Sprecher Gerhard Garbers, der seine Stimme bereits der ebenso spannenden wie ungewöhnlichen Geschichte "Die Wilde Charlotte" und ein Jahr später auch "Felix und das liebe Geld" lieh. Die HÖRCOMPANY fragt telefonsch bei Gerhard Garbers an, ob er überhaupt Zeit und Lust hat. Dann bekommt er das Buch zur Prüfung zugeschickt, denn dem Schauspieler muss der Text natürlich zusagen. Danach wird auch über die Honrarfrage gesprochen und mögliche Termine werden festgehalten.

Zahlen, Daten, Fakten begleiten die Planungsphase: Zuerst muss beim Verlag angefragt werden, ob die Audio-Rechte für die Buchvorlage noch frei sind und ob der Verlag einverstanden ist mit der Übernahme für eine Hörbuchproduktion. Wenn ja, muss über die Kosten verhandelt werden. Garantievorauszahlung und Lizenzgebühren und viele andere Details werden in einem schriftlichen Vertrag festgelegt.

Außerdem wird berechnet, wie lang die Lesung der ungekürzten Buchvorlage wäre. Muss die Vorlage eventuell etwas gekürzt werden, damit der geplante Rahmen von 3 CDs (ca. 225 Min) nicht überschritten wird? Ist dies möglich, ohne dass der Zauber der Geschichte und die Intention des Autors verloren geht? Daneben wird eine Kalkulation aller anfallenden Kosten aufgestellt, der Preis für das Hörbuch festgelegt, eine ISBN-Nummer vergeben etc.

Kürzungen nimmt die HÖRCOMPANY nur ungern vor, soll doch die Sprache des Autors möglichst erhalten bleiben. Bei "Wish Me Luck" werden einige beschreibende Passagen gestrichen, die eigentliche Handlung wird aber nicht angetastet. Aber auch minimale Kürzungen müssen dem Verlag, dem Autor oder dem Agenten vorgelegt werden und bedürfen der Zustimmung. In diesem Fall genehmigt die Agentin des Autors die vorgeschlagenen Kürzungen.

Mit oder ohne Musik oder nur klangliche Untermalung? Bei der "Wilden Charlotte" spielt z.B. ein Piratenlied eine entscheidende Rolle, sodass ein Musiker gebeten wird, einen Piratensong zu schreiben mit einem Refrain, den alle gern mitsingen. Andrea Herzog: "WISH ME LUCK braucht jedoch keine Musik und keine anderen Geräusche – die Sprache ist so schön, eindringlich und bildhaft, dass wir ihr allen Raum geben wollen."

Cover und Booklet müssen ebenfalls rechtzeitig bedacht werden. Das Cover soll in der Verlagsvorschau abgebildet werden mit einem erläuternden Vorschautext, dazu die Vita von Autor und Sprecher. Da die HÖRCOMPANY den Vertrieb über den EICHBORN-Verlag organisiert, gehen alle Angaben nach Frankfurt für die Vorschau EICHBORN ZUM HÖREN. Die Bilddaten des Covers sind über den Verlag zu organisieren und werden direkt zur Grafikerin geschickt. Das Buch-Cover hat Längsformat, die CD-Verpackung jedoch Querformat, doch die Grafikerin weiß Rat. Sie macht verschiedene Entwürfe und plant schon das Layout für die Verpackung und das Booklet. Für das Cover von "Wish Me Luck" liegen die Bildrechte in den USA und müssen von dort erworben werden.

Die Produktion: Jetzt stimmen Angelika Schaack und Andrea Herzog die Studiotermine ab. Aufgenommen wird im Studio bei Wolfgang von Henko, und Gerhard Garbers muss die Lesetermine mit Drehtagen für Fernsehproduktionen koordinieren. Er erhält ein Lesemanuskript zugeschickt, sobald die Kürzungsgenehmigung vorliegt. Bei einer Vorbesprechung wird das Manuskript nochmals durchgegangen, Fragen besprochen und auch geklärt, wie die irischen Namen ausgesprochen werden. Dazu war vorher eine irische Freundin befragt worden. Für fremdsprachige Namen holen sich Angelika Schaack und Andrea Herzog möglichst Rat bei Muttersprachlern, für andere knifflige Fragen liegt immer ein Aussprache-Wörterbuch bereit.

Herzog: "Dann besprechen wir mit Gerhard Garbers, wie wir uns die Charaktere vorstellen, die Beziehungen der Protagonisten untereinander, den Spannungsbogen. Auch Gerhard Garbers bringt seine Ideen und seine Erfahrung ein. Angelika Schaack und Andrea Herzog merken, dass er für die Geschichte Feuer gefangen hat und sind von seinen Vorschlägen sehr angetan."


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