Fragen & Antworten –
die FAQ-Sammlung rund ums Hörbuch (2/7)

Was ist das überhaupt, ein Hörbuch?

Hörbücher / Audiobooks sind sozusagen Bücher auf Tonträgern, zum Beispiel CDs oder Musikcassetten. Dabei gibt es verschiedene Arten, wie die Geschichte oder das Thema behandelt werden: als Lesungen (klassische Form des Hörbuches, vor allem für Romane), als Hörspiele (das "Kino im Kopf") oder als Sach- und Lehrbücher (oft für Dokumentationen).



Seit wann gibt es Hörbücher?

Im März 1931 beauftragte die US-Regierung die amerikanische Kongress-Bibliothek, ein System zu entwickeln, das Blinden ermöglichen sollte, Literatur zu konsumieren: das "Readaphon" mit speziellen Schallplatten. Das erste "richtige" Hörbuch folgte erst 21 Jahre später: 1952 die Tonbandproduktion "A Child's Christmas in Wales", die von Dylan Thomas geschrieben und gesprochen wurde. Erst 1975 spezialisierte sich die weltweit erste Firma "Books on Tape" ausschließlich auf Hörbücher. Nur drei Jahre später folgte 1978 die Gründung des ältesten deutschen Hörbuchverlags durch die Erich Schumm GmbH in Murrhardt als "edition schumm sprechende bücher", die seit 1995 "steinbach sprechende bücher" heißt. Mitte der 80er Jahre begannen die großen amerikanischen Verlage, ihre Bestseller vertonen zu lassen und eigene Audioabteilungen zu bilden. Seit 1987 verkaufen die US-Verlage unter dem Dach der "Audio Publishers Association" ihre Hörbücher in amerikanischen Buchläden.



Wie erfolgreich sind Hörbücher?

Im Jahr 2000 machte das Hörbuchsegment einen geschätzten Umsatz von ca. 35 Millionen Euro und damit nur 0,5 Prozent des deutschen Buchmarktes. Zum Vergleich: Allein der Audiobook-Bereich in den USA hat ein Volumen von 2 Milliarden Euro. Interessant ist auch, dass dort die Ladenkette Borders 16% des Umsatzes mit Audiobooks erzielt, was ein nicht unerheblicher Anteil ist. Erkennbar ist jedoch in Deutschland ein erstaunlich "steiler Steigflug": Der Hörbuchmarkt hierzulande boomt. Mittlerweile geht man von 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und einem Marktanteil von 3 % aus. 2003 konnten die Hörbuchverlage ein Umsatzplus von 10,3 Prozent verzeichnen, und die Zahl der Buchhandlungen, die Hörbücher in ihr Sortiment aufgenommen haben, hat sich seit Mitte der 90er Jahre fast verdoppelt.



Welches ist das meistverkaufte Hörbuch?

Als erster deutscher Hörbuch-Bestseller für Erwachsene gilt "Sofies Welt" von 1995 (der hörverlag), das damals auf 100.000 verkaufte Exemplare kam. Die Patmos-Produktion "Der kleine Prinz" von 2001 ist bereits 300.000 Mal verkauft worden, und selbst Dieter Bohlens "Nichts als die Wahrheit" wurde schon 200.000 Mal regelrecht verramscht. Zum Vergleich: Normalerweise können sich Verlage schon über vierstellige Verkaufszahlen freuen.
Ein Phänomen ist jedoch die Hörbuchfassung von "Harry Potter und der Stein der Weisen". Insgesamt sind von den Harry-Potter-Hörbüchern bereits über 1,7 Millionen Exemplare verkauft worden. Kuriosität am Rande: Der Sprecher des Hörbuchs, Rufus Beck, verdankt seine Popularität dem Umstand, dass der Hörverlag keine Bearbeitungsrechte besaß, z.B. für Geräusche oder Musik. So durfte die Romanvorlage nur gelesen werden, mehr nicht. Aus der Not machte man eine Tugend: Rufus Beck schafft es ja wie kein Zweiter, mit nur einer Stimme, aber tausend Variationen eine Art Hörspiel zu zelebrieren – und genau das war das Faszinierende.



Wieviele Titel und Hörbuchhandlungen gibt es?

Zurzeit gibt es etwa 8000-10000 lieferbare Titel sowie 800 Neuerscheinungen pro Jahr, angeboten von fast 300 Verlagen, unterstützt von 600 engagierten Hörbuch-Handlungen.



Wer war der erste Hörbuch-Verlag, welcher ist der erfolgreichste?

Den Titel "erster Hörbuch-Verlag in Deutschland" darf der Verlag "Steinbach Sprechende Bücher" für sich in Anspruch nehmen. Klarer Marktführer ist "der hörverlag", der u.a. die "Harry Potter"-Lesungen herausgebracht hat. Aufgrund des noch geringen Marktvolumens in Deutschland bezeichnet er sich selbst jedoch als "Kapitän in der Badewanne".



Wie sieht das Programm in Deutschland aus?

Hierzulande ist ein sehr vielfältiges Programm erhältlich, so dass auch die anspruchsvolle Minderheit Gehör findet. Hinzu kommen zahlreiche Kooperationen zwischen Verlagen und Sendern, die dazu führen, dass auch mal in Archiven gegraben wird, um verborgenene und längst vergessene Schätzchen der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Ebenso honoriert der deutsche Käufer die ansprechende Cover-Gestaltung und Ästhetik, die umfangreicheren Booklets und hohe Qualität des Inhalts.



Wer kauft Hörbücher statistisch gesehen?

Nach einer FOCUS-Studie sind Hörbuch-Hörer potentielle Buchkäufer, nutzen das Medium sehr oft und gehören zur "Info-Elite", sind stark beruflich engagiert, statistisch älter als 40 Jahre. Eine Umfrage des Börsenvereins brachte zutage, dass gut 44 Prozent aller Befragten Interesse am Hörbuch haben, darunter die Hälfte zwischen 35 und 54 Jahren, 29 Prozent älter als 54 Jahre.



Welche Art von Literatur bevorzugen die Käufer?

Erstaunlicherweise rangiert in Bezug auf die Themengebiete das Sachbuch mit 32% an oberster Stelle (Stand: Ende 2000), auf den Plätzen folgen zu 26% Kinderthemen, 24% Literatur / Romane / Krimis. Auch wird immer mehr nach CDs verlangt, bei den Kindern liegt die Cassette aber immer noch vorn. (Allerdings sollte man diesen Zahlen keine Bedeutung mehr beimessen, denn die Studie ist trotz ihrer nur 2 Jahre komplett überholt. Wenn wirklich die größte Gruppe sich Sachthemen als Hörbücher wünschen würde, produzieren alle Verlage auf dem Markt an der Zielgruppe vorbei, denn es stehen schon längst Romane an erster Stelle. Seitdem gibt es leider noch keine neuen Untersuchungen!)



Sind Hörbuchverlage verpflichtet, auf der Verpackung anzugeben, ob es sich um eine gekürzte Version handelt?

Der deutsche Hörbuchmarkt sieht (noch) keine einheitlichen Standards vor, so dass tatsächlich kein Produzent verpflichtet ist, dies auf der Verpackung anzugeben. Nach unserer Einschätzung tun dies aber schon weit über 90 Prozent aller Verlage, denn eine gut gemachte Kürzung – im Sinne eines konkurrenzfähigen Verkaufspreises und angesichts einer anderen Rezeption von Literatur – bedeutet einen nicht geringen Aufwand in der Produktionskette. Meist geschieht die Bearbeitung durch den Autor selbst oder wird von ihm autorisiert, weshalb die Verlage dies auch auf das Hörbuch schreiben, um zu signalisieren, dass hier ein eigenständiges Medium entstanden ist. Allerdings können wir die Enttäuschung, wenn kein Hinweis auf die Bearbeitung vorhanden ist und sich der Text als unsensibel gekürzt herausstellt, gut nachvollziehen. Der Arbeitskreis Hörbuchverlage beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels arbeitet an einheitlichen Standards, die vor einer potenziellen Enttäuschung schützen sollen.



Was kann man tun bei defekten oder falsch beschrifteten CDs oder Kassetten?

Einfach mal den jeweiligen Verlag ansprechen (per E-Mail, Fax, Telefon) und fragen, ob er die CDs oder Kassetten kostenlos oder gegen einen geringen Obulus ersetzt. Der Hörverlag hat uns dies zugesichert – hier die Adresse: der hörverlag / Vertrieb, Lindwurmstraße 88, 80337 München.



Wollt Ihr mehr wissen? Schickt uns Eure Frage (über das Mail-Formular), und wir versuchen es herauszufinden bzw. leiten die Frage an die Verlage weiter!



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