Interview mit Stephan Bosenius und Marc Gruppe

Titania Medien gehört zu den Hörspiel-Labeln mit den meisten Auszeichnungen auf dem Markt, darunter auch zu Hörspielen aus der Reihe "Gruselkabinett". Wir sprachen mit den beiden Gründern Stephan Bosenius und Marc Gruppe.


Was unterscheidet die "Gruselkabinett"-Reihe von anderen Hörspielen, die Fantasy, Horror und Mystery verbinden?

Wir haben das Groschenheft links liegen gelassen und uns den Perlen der literarischen Schauer-Romantik zugewandt, die ja nicht von ungefähr auch heute noch sehr viel gelesen, verfilmt und geliebt werden. Es sind schlichtweg vielschichtige Klassiker. Dass wir diese Hörspiele ab einem Hörer-Alter von 14 Jahren für geeignet erklären, hat nichts mit der darin geschilderten Brutalität zu tun, sondern ausschließlich damit, dass in der Regel immer psychologisch komplexe Themen behandelt werden, für deren Verständnis eine gewisse Reife schlichtweg nötig ist.

Effekthascherei sucht man im "Gruselkabinett" vergeblich. Hier interessieren die Macher, aber wohl auch die Käuferschaft, andere Dinge, die eher im Verborgenen der Seelen der handelnden Figuren zu suchen sind. Zudem ist es sicher ein interessanter Punkt, dass immer in sich abgeschlossene Geschichten vertont werden. Für Abwechslung ist innerhalb der Reihe somit reichlich gesorgt. Zudem kann man unsere Hörspiele immer wieder hören und wird man jedesmal ein neues Detail entdecken, das einem beim ersten Hören womöglich entgangen ist. Das liegt u.a. daran, dass schon in den Vorlagen viel "zwischen den Zeilen" gesprochen wird. Dies zu erhalten, macht es für uns auch so spannend in der Umsetzung.


Und was ist das Besondere an der Serie?

Hier tummelt sich unter der Reihen-Definition "Die Meisterwerke der Schauer-Romantik als atmosphärische Hörspiele mit den deutschen Stimmen vieler Hollywood-Stars" alles, was Rang und Namen im Grusel-Fantasy-Bereich hat: Vampire, Werwölfe, ruhelose Seefahrer, Teufel, Hexen und jede Menge Geister.

Das "Gruselkabinett" ist dabei keine Reihe von Horror-Hörspielen. Es geht ganz klar um Schauer-Romantik. Nicht die Darstellung oder gar Verherrlichung von Gewalt oder Brutalität steht hier im Vordergrund, sondern das Erzählen einer schaurig-schönen Geschichte, in der die Romantik ebenso eine Berechtigung hat wie der Schauer. Das "Gruselkabinett" ist auf dem Grusel-Hörspiel-Markt auch deshalb seit der ersten Folge, die 2004 erschien, einzigartig, weil hier erstmals keine Groschenheft-Romane zur Vertonung herangezogen werden, sondern literarisch und inhaltlich reiche Werke zum Thema, meist aus dem 19. Jahrhundert.

In den zur Zeit fast 50 erhältlichen Folgen tummeln sich die Unholde der prominenten Autoren Oscar Wilde, Bram Stoker, Mary Shelley, Edgar Allan Poe, Alexandre Dumas, Victor Hugo, Robert Louis Stevenson, Heinrich Heine, H. P. Lovecraft, E. T. A. Hoffmann und jüngst sogar Jane Austen! Mit dieser Auswahl wird per se bereits ein Literatur-interessiertes Publikum angesprochen, welches eine hochwertige Umsetzung dieser vielschichtigen Vorlagen zu schätzen weiß.


Welche Qualitätskriterien legt ihr selbst an eure Werke an?

Unsere Adaptionen in Dialogform sind stets sehr werktreu. Besonderes "Ohrenmerk" wird auf das Umsetzen der Atmosphäre gelegt, die jeder einzelnen Vorlage innewohnt. Wir arbeiten ausschließlich mit hochkarätigen, professionellen Schauspielern zusammen, die über sehr viel Erfahrung vor dem Mikrofon verfügen. Denn die psychologische Vielschichtigkeit der Figuren wird durch die schauspielerischen Leistungen erst plastisch. Unterstützt wird dieser Vortrag durch eine stets aufwendige Geräusch- und Musikuntermalung, die die klangliche Atmosphäre der Handlungszeit lebendig werden lässt. Uns ist wichtig, dass der Hörer durch unsere spezielle Art der Inszenierung in Kontakt mit den Figuren und der Handlung kommt. sich identifiziert und ganz in die Klangwelten der fernen Zeit eintauchen kann. So stellt sich eine Gänsehaut ein, die sicher länger nachwirkt, als ein bloß durch lauten Effekt erzielter schneller schlagender Puls.

Für jede Folge wird von unserem Illustrator Firuz Askin eine exklusiv für das Hörspiel geschaffene Cover-Illustration gemalt. Passend zur Reihe geschieht dies ausschließlich mit Pinsel und Farbe, meist in Öl. Dies erhöht auch optisch den Reiz, dass hier auf äußerst liebevolle Art alte Stoffe in einer ausgefeilten Dramaturgie mit den technischen Mitteln von heute neu interpretiert werden.


Nicht mehr lange, dann erscheint schon die fünfzigste Folge...

Ja, im März 2011 – das macht uns als Produzenten stolz. Heutzutage ist es durchaus keine Selbstverständlichkeit mehr, dass eine Hörspiel-Reihe sich solch einer konstanten Beliebtheit erfreut. Planerisch sind wir bereits jenseits von Folge 60, und man darf sich noch auf viele schöne Spielarten des Gruselns freuen, das plötzlich und unerwartet in das Leben von Menschen einbrechen wird...


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