"steinbach sprechende bücher" ist
Deutschlands ältester HörbuchverlagDie Geschichte des ältesten deutschen Hörbuchverlags begann in den 70er Jahren. Erich Schumm brachte von einer Reise nach Amerika die Hörbuchidee mit nach Deutschland. Er gründete hier 1978 den ersten reinen Hörbuchverlag "schumm sprechende bücher" und leistete Pionierarbeit für dieses Medium. 1995 übernahm Johanna Steinbach-Grobst den Verlag, der seit 1998 als "steinbach sprechende bücher" firmiert. Sitz des Verlages ist Schwäbisch Hall.
Für das Jahr 2002 konnte der Verlag einen Umsatzzuwachs von 60% verzeichnen. Mit einem Jahresumsatz von 1,5 Mio. Euro rangiert Steinbach unter den ersten fünf Hörbuchverlagen. Unter der Leitung von Johanna Steinbach-Grobst sind etwa 190 Titel neu produziert worden, aktuell sind rund 300 Titel lieferbar. Jährlich kommen etwa 25 neue Titel hinzu.
Markenzeichen des Verlages (Foto) ist die ungekürzte Lesung. Entgegen dem Trend auf dem Hörbuchmarkt hat die Verlagsleitung nie den Aufwand gescheut, der literarischen Vorlage in vollem Umfang gerecht zu werden. Hörspiele oder gekürzte Lesungen finden sich eher selten im Programm und sind als Ergänzungen eines Autorenrepertoires zu verstehen.
Die Programmstruktur ist durch einen Schwerpunkt auf zeitgenössische Literatur gekennzeichnet, wobei Themen mit (literarischen) Antworten auf zentrale Fragen des Menschseins im Mittelpunkt stehen. Weitere wichtige Programmsegmente bilden klassische Autoren (z.B. Goethe, Fontane, Dostojewski, Wieland oder Arno Schmidt) und das literarische Sachbuch (z.B. Sobel, Längengrad oder Hayward, Briefe an Vanessa).
Besonderes Augenmerk richtet der Verlag auf die kontinuierliche Pflege seiner Stammautoren. Diese sind z.B. Friedrich Dürrenmatt, Georges Simenon, Donna Leon, Alessandro Baricco, Sergio Bambaren und Paulo Coelho. Gerade die Werke des brasilianischen Kultautors Paulo Coelho, dessen Werke exklusiv bei steinbach sprechende bücher als Hörbücher erscheinen ("Der Wanderer" und "Der Alchimist"), rangieren regelmäßig auf den ersten Plätzen aller wichtigen Hörbuch-Charts und werden im Buchhandel mit Sonderaktionen unterstützt.
Vorlesen ist eine Kunst – deshalb ist es das erklärte Ziel des Verlages, für jede Produktion die ideale Sprecherbesetzung zu finden. Die Qualität der Hörproduktionen zeigt sich auch an der Auswahl renommierter SprecherInnen wie Ursula Illert, Hannelore Elsner, Franziska Pigulla, Ulrich Tukur, Jan Philipp Reemtsma, Christoph Lindert, Mathieu Carrière, Markus Hoffmann, Edgar M. Böhlke oder Christian Brückner.
Das Kinderhörbuchprogramm von Steinbach umfasst 2003 rund 45 Titel: ein hochgelobtes Angebot für anspruchsvolle Eltern von reizüberfluteten Kindern. Vertreten sind Autoren wie Peter Härtling, Anne Fine oder Gudrun Mebs.
Im Vergleich zu anderen Anbietern rangieren die Hörbücher von Steinbach mit ihrem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis im mittleren bis unteren Preissegment. Dahinter steht das Ziel, das Medium einem breiteren Publikum nahe zu bringen. Zu diesem Zweck werden auch neue Pfade beschritten wie zum Beispiel die Nutzung vertrieblicher Nebenwege (Aldi, Tchibo). Für diese spezielle Vertriebsform hat Steinbach für den Hörbuchbereich ebenfalls die Pionierrolle inne.
Interview mit Johanna Steinbach-Grobst
Johanna Steinbach-Grobst, ist seit 1995 die Verlegerin des Hörbuchverlages steinbach sprechende bücher. Das Interview wurde nach einem Fragenkatalog der Hoerothek von der PR-Agentur BuchContact geführt:
Was sind die sechs Bestseller Ihres Hauses? – Ganz vorne die Hörbücher von Paulo Coelho, insbesondere "Der Alchimist" und "Der Wanderer", mit denen wir schon seit Monaten auf den Bestsellerlisten ganz vorne stehen, dann "Seide" und "Novecento" von Alessandro Baricco, dicht gefolgt von "Der träumende Delphin" von Sergio Bambaren und dann ziemlich gleich verteilt alle Donna-Leon-Titel.
Was ist Ihr persönliches Lieblingshörbuch aus Ihrem Programm? – Das ist "Briefe an Vanessa" von Jeremy W. Hayward, einem amerikanischen Physiker, der uns in Briefen an seine heranwachsende Tochter den wahren Zauber des Lebens erfahrbar werden lässt und uns dazu inspiriert, unsere Welt und unser Leben mit neuen Augen zu sehen. Christoph Lindert, der als Sprecher diese Briefe kongenial umgesetzt hat, sagt, dass die Arbeit mit diesem Buch sein Leben verändert hat.
Wie stehen Sie zu Kinder-Hörbüchern? – Kinder wachsen mit Büchern auf, auch mit Hörbüchern, d.h. mit Geschichten, die sehr oft gehört werden und Figuren, die nicht selten Lebensabschnittsgefährten sind (manchmal für ein ganzes Leben). Und deshalb muss die Qualität stimmen! Kinder brauchen "gute" Geschichten, die ihnen Nahrung sind. Von daher stimmen wir mit den Bestrebungen der Stiftung Zuhören e.V. und deren Qualitätsmaßstäben überein. Unsere Produktionen werden immer unter der Prämisse "pädagogisch wertvoll" ausgewählt und produziert.
Wie sehen Sie die Chancen für Sach-Hörbücher? – Sehr gut. Hierbei spielen einerseits die "Zweitverwertung" von Zeit und der Zeitmangel vieler Menschen, auch die langen Fahrtwege im Auto oder Zug, eine immer größere Rolle. Andererseits aber auch die Notwendigkeit und das Bedürfnis nach Weiterbildung und persönlicher Entwicklung. Das Medium bietet hier noch viele Möglichkeiten der didaktischen Aufbereitung.
Sind Ihnen CDs oder MCs lieber? – Im Bereich Erwachsenen-Hörbuch präferieren wir weder CDs noch MCs, hier ist die verbreitetste Technik der entscheidende Faktor, und momentan ist die CD auf dem Vormarsch. Bei den Kinderhörbüchern werden nach wie vor MCs bevorzugt.
Wird das Hörbuch in Zukunft eher teurer oder eher günstiger – und warum? – Das ist eine philosophische Frage: Was ist teuer? Was ist mir etwas wert? Hörbücher sind keine "vertonten Bücher", sondern ein ganz eigenes Medium, eine eigene Kunstform – sie sprechen für sich. Viele Menschen sind daran beteiligt: SprecherInnen, Toningenieure, Produzenten, Musiker und viele mehr. Das muss jeder, dem ein Hörbuch – über die "Zweitverwertung von Zeit" hinaus – etwas wert ist, einrechnen. Die Preise hängen stark von der Nachfrage und der damit verbundenen Auflagenhöhe ab. Manche werden also günstiger und andere teurer angeboten. Wenn die Nachfrage in den nächsten Jahren stark steigt – und nicht nur ein Boom auf der Anbieterseite stattfindet wie bisher – werden Hörbücher nach unserer Prognose günstiger. Wir selbst setzen schon jetzt auf Mischkalkulation, um umfangreiche Werke wie z.B. unsere Donna-Leon-Lesungen (8 CDs) für den Hörer erschwinglich zu machen und das Medium Hörbuch für eine größere Käuferschicht interessant zu machen.
Wie stehen Sie zu illegalen MP3-Downloads? Auch Hörbücher werden mittlerweile "getauscht"! – "Tauschen" ist illegal, und die, die es tun, wissen das. Für uns, die sich intensiv für Hörbücher einsetzen, ist das natürlich ein sehr unfaires und enttäuschendes Verhalten, das aber gesellschaftlich als Kavaliersdelikt angesehen wird. Mit einem lachenden Auge könnte man es auch so sehen: Wer sich schon die Mühe macht, die immer länger werdenden Hörbücher (8 CDs und mehr!) downzuloaden, der oder die kann nur ein Freund von Hörbüchern sein. Der Weg zur Legalität scheint also nicht ganz verschlossen.
Wie war die Anfangszeit als Vorreiter im Hörbuchmarkt? – "Pionier" wäre die bessere Bezeichnung, denn "Vorreiterschaft" ist ein Begriff aus einem etablierten Markt mit einer Anzahl potenzieller Anbieter. Dieser Zustand ist erst in den letzten fünf Jahren wirklich erreicht worden, mit wachsender Tendenz und Akzeptanz. Man kann sagen, dass es eine spannende Zeit war, in der – wie bei jedem Neuanfang – vieles entwickelt und entdeckt wurde. Es war eine Herausforderung für den Pionier Erich Schumm, der das Hörbuch 1978 aus Amerika mitbrachte und durch Experimente mit Autoren und Sprechern in Deutschland etablieren wollte. Etwa durch skurrile Verpackungsformen, die für eine Massenproduktion leider nicht geeignet waren. Wir besitzen eine Sammlung von Fotos, Texten und Materialien, die diese Anfangsjahre des Hörbuchs dokumentiert.
Was ist Ihrer Meinung nach das Hauptproblem der Branche? – Das größte Problem ist sicherlich eine Anbieterexplosion, die oft die Handelskanäle verstopft und nicht wirklich den Weg zum Kunden, sprich Hörer, findet. Wobei auf der Nachfrageseite immer noch viel zu wenig Menschen überhaupt das Medium Hörbuch kennen.
Worin sehen Sie die Stärke der Branche? – In der ganz eigenen Qualität des eigenständigen Mediums "Hörbuch": Stimme, Sprechen, Hören. Zudem in der "Wiederentdeckung des Hörens" als aktuellem Phänomen in unterschiedlichsten Alters- und Gesellschaftsgruppen.
Sie sind der Pionier unter den Hörbuchverlagen. Welches Erbe bringen Sie in einen sich jüngst stark entwickelnden Markt ein? – Die Idee. Sie hat mich begeistert wie vor über 25 Jahren Erich Schumm, den Gründer des Verlags: Literatur zum Hören. Ich liebe Bücher, und der frühe Slogan von Schumm: "Bücher, die ins Ohr gehen" sollte eigentlich einen Zusatz haben: "über das Herz ins Ohr".
Texten eine Stimme zu geben, Emotionen hörbar zu machen – manchmal ist das wie Musik, und es ist sehr ausdrucksstark. Deswegen liebe ich es und freue mich, wenn es andere auch kennen und lieben lernen. So hat sich auch unsere Firmenphilosophie entwickelt: Wir verlegen Hörbücher, die vor allem Genuss, Freude, Inspiration, Spannung und Entspannung schenken. Auf diese Weise möchten wir unseren Teil zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Die besten Hörbücher sind für mich die, die uns ein Stück mehr bei uns selbst ankommen lassen.
Aber etwas anderes ist mir ebenso wichtig wie der künstlerische Aspekt: die technische Qualität. Nur wenn beides ineinander greift, wird ein Hörbuch zum Genuss. Bestes Material, hohe Kontrollstandards und eine ansprechende, verbraucherfreundliche Verpackung tragen wesentlich zur Beliebtheit unserer Verlagsprodukte bei.
Nicht zuletzt möchte ich noch nennen, dass ich stets eine vorzügliche Betreuung meiner Kunden, im Hauptsächlichen sind das die deutschsprachigen Buchhändler, angestrebt habe und pflege. Sie sind es, die wir begeistern müssen, damit sie unsere Hörbücher an den Hörer weiterempfehlen und er sich ein eigenes (Klang-)Bild machen kann.
Wir leben in einer Zeit der Fusionierungen. Welche Chancen haben Hörbuchverlage, die unabhängig wachsen wollen, langfristig? – Das kann ich schwer beantworten. Ich glaube, dass gute, überzeugende Arbeit immer erfolgreich ist. Es erfordert zweifellos viel Know-how und eine gute Intuition, da ist ein Hörbuchverlag wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen. Man muss mit Zahlen genauso umgehen können wie mit den künstlerisch-kreativen Aspekten der Hörbuchproduktion. Wenn man dann noch, wie wir, gute und verlässliche Partner hat, steht dem Erfolg eigentlich nicht mehr allzu viel im Weg.
Bewerben sich viele SprecherInnen und AutorInnen bei Ihnen? – Oh ja, oft können wir uns kaum retten vor Zusendungen. Meistens müssen wir die Bewerber für einige Wochen vertrösten, bis wir Ihnen unsere Entscheidung mitteilen können. Grundsätzlich arbeiten wir nur mit professionellen Schauspielern/Sprechern zusammen, und die haben sich oft schon einen Namen als Sprecher gemacht, sei es im Rundfunk oder als Synchronsprecher beim Film. Meistens gehen wir also auf sie zu, da es uns wichtig ist, die "richtige Stimme" für jedes Hörbuch zu finden. Nehmen Sie z.B. das Hörbuch von Mitch Albom: "Dienstags bei Morrie". Mathieu Carrière macht als Sprecher die Wandlung des Protagonisten auf einzigartige Weise mit. Dadurch wird sie für den Hörer unmittelbar erlebbar. Die "richtige Stimme" ist eines unserer wichtigsten Qualitätsmerkmale.
Welche Projekte sind für die Zukunft geplant? – Wir werden das Verlags- und Programmprofil allgemein weiter stärken und ausbauen. Der Schwerpunkt liegt auch weiterhin auf Hörbüchern, die Antworten bieten auf zentrale Fragen unseres Menschseins und unserer Zeit. Verstärkt wird in Zukunft der Bereich des literarischen Sach-Hörbuchs – ein Sektor, in dem wir bisher z. B. Jeremy Haywards "Briefe an Vanessa" oder Julia Butterfly Hills "Die Botschaft der Baumfrau" produziert haben.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft? – In der Öffentlichkeit: viel mehr statt der bisherigen 7 bis 10 % Menschen, die Hörbücher kennen und zu schätzen wissen. In unserem Verlag: Viele Möglichkeiten für kreative Projekte und neue Reihen und die Entdeckung von Autoren und Büchern, die es zu hören lohnt und von Sprechern, die die reinste Freude am Hören vermitteln.
Was wünschen Sie Ihren Hörern für die Zukunft? – Viel Freude, Inspiration und Genuss beim Hören unserer Hörbücher.
Dankeschön fürs Interview!