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Sprechprofi Rainer Maria Ehrhardt
Seit 1980 arbeitet er als Sprecher, Journalist und Moderator für viele Fernseh- und Rundfunkanstalten in Deutschland. Außerdem ist er Vorsitzender der Vereinigung deutscher Sprecher e.V.
Herr Ehrhardt, ist Sprecher ein Beruf, von dem man leben kann?
Selbstverständlich kann man davon leben, wenn ein paar wichtige Voraussetzungen gegeben sind: Man muss eine gute Stimme haben, in der Lage sein, Texte auch wirklich korrekt wiedergeben zu können und sich über eine lange Anlaufstrecke erst einmal an die Spitze hocharbeiten.
Was machen denn die Mitglieder der VDS hauptsächlich: Synchronarbeiten, Werbung, Nachrichten etc.?
Das kann ich gar nicht beantworten, weil jeder Sprecher einen anderen Markt bedient. Werbung werden aber wohl alle unsere Mitglieder sprechen.
Sie selbst üben diesen Beruf ja nun schon Jahrzehnte lang aus. Würden Sie heute noch mal damit von vorn anfangen?
Ich hätte vor allen Dingen viel früher anfangen sollen! Aber die ersten Berufsjahre habe ich halt mit Musikproduktionen verbracht, von denen ich heute sicher nicht mehr leben könnte.
Was macht Ihnen daran am meisten Spaß?
Dass ich von zu Hause aus meine Stimme in die ganze Welt verschicken kann.
Können Sie Newcommern Empfehlungen für den Einstieg in die Branche geben?
Jeder Newcomer sollte dieses Buch lesen: "Das Sprecherhandbuch – Ausbildung und Praxis bei Film, TV, Funk und Werbung" [die Hörothek berichtete]. Da steht alles drin, um einen ordentlichen Start hinzulegen. Ist das jetzt Schleichwerbung?
Aber sicher, allerdings auch ein guter Tipp! Was sollte man für die Arbeit als Sprecher "mitbringen"?
Neben einer guten Stimme die Fähigkeit, Texte schnell zu erfassen, zu verstehen und richtig betont vorlesen zu können. Das ist viel schwerer, als man gemeinhin annimmt. Das reine Handwerkszeug hat man ja zum Glück fest eingebaut.
Sind eher Frauenstimmen gefragt oder Männerstimmen?
Bei Navigationssystemen sind es fast ausschließlich Frauen, in der Werbung deutlich mehr Männer. Auch bei Schulungsprogrammen, POS-Videos oder TV-Beiträgen werden Männerstimmen immer noch bevorzugt.
Haben jüngere oder ältere Stimmen größeren Erfolg?
Das kommt ganz auf den Kontext an. 50 Prozent meiner Kunden haben mich nie gesehen, wissen also gar nicht, wie alt ich bin. Trotzdem scheint das Stimmalter zu stimmen. Die meisten Profisprecher sind auch in Bezug auf das Stimmalter recht variabel.
Bis zu welchem Alter kann man eigentlich damit rechnen, noch als Sprecher beschäftigt zu werden?
Beim ZDF habe ich einen Kollegen, der mit 72 noch regelmäßig vorm Mikrofon erscheint. Das gibt mir die Hoffnung, mein Haus noch komplett abzahlen zu können.
Wo sehen Sie zurzeit den größten Bedarf für ausgebildete Stimmen?
Leider gibt es viel zu viele sogenannte "Sprecher", aber ausgebildete Stimmen werden in allen Sektoren gesucht.
Kommen nicht eines Tages synthetische Stimmen?
Sicher werden die dann bei Gebrauchsanweisungen oder in Fernbedienungen eingesetzt. Bisher klingen die aber noch so gruselig, dass ich da noch keine Gefahr für die menschliche Stimme sehe.
Was würden Sie gern mal vertonen, wozu es aber noch nie Gelegenheit gab?
Vertont habe ich eigentlich alles, was möglich ist. Aber da ich ja in meiner Freizeit auch noch Theater spiele, möchte ich endlich mal eine kleine Rolle im "Tatort" spielen. Zweimal war ich schon dicht dran, aber leider hat es beide Male aus Termingründen nicht geklappt.
Wir drücken die Daumen! Danke fürs Interview!
Wer mehr über Rainer Maria Ehrhardt und den Sprecherverein wissen möchte, dem empfehlen wir den Besuch seiner Website und die der VDS.