Joachim Kerzel und David Nathan
lehren die Hörer das Gruseln
"Necroscope – Das Erwachen" und "H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens – Der Cthulhu Mythos" heißen die neuen Produktionen des Verlags LPL Records, der sich dafür die bekannten Synchronsprecher Joachim Kerzel und David Nathan geangelt hat. Dass die beiden Profis die Hörer das Gruseln lehren, ist auch dem erfolgreichen Regie-Duo Oliver Rohrbeck und Sven Hasper zu verdanken.
|
RealVideo von den Aufnahmen in den Bikinistudios Berlin |
Kenner wissen: Joachim Kerzel (oben) ist u.a. Sprecher von Jack Nicholson, David Nathan (rechts) die Stimme von Jonny Depp. Oliver Rohrbeck (weiter unten mit Brille, im Studio) kennt man sozusagen als "Berufs-Jugendlichen" ;-) Justus Jonas in den "Drei ???", Sven Hasper (rechts neben Tonmeister Knut Jürgens) als Synchronstimme von Michael J. Fox. Die beiden betreiben eine eigene Synchronfirma und sind eine feste Größe im Kino- und TV-Geschäft.
Die Aufnahmen zu den beiden LPL-Produktionen fanden eine Woche lang vom 22. bis 26. Juli statt. Als Studio hatte sich LPL das Atelier 1 der "Bikinistudios" im Herzen Berlins ausgesucht. In den Bikinistudios arbeiten Spezialisten für Sprachaufnahmen, die dort tagtäglich TV-Serien und Kino-Filme synchronisieren.
Unverwechselbarer Sound ist das A und O bei einem Hörbuch – um beiden Hörbüchern einen solchen zu bieten, den man braucht, um mehrere Stunden einem Erzähler zu lauschen, entschieden sich Produzent Lars Peter Lueg (kleines Foto) und Tonmeister Knut Jürgens (Studio-Foto, links neben David Nathan) für den Einsatz eines hochwertigen Röhrenmikrofons und eines speziellen Röhrenvorverstärkers, um den Stimmen den gewissen "warmen" Sound alter analoger Aufnahmen des letzten Jahrtausends zu geben. Dies macht sich zwar nicht direkt bemerkbar, wirkt aber unterbewusst, stärkt die Aufmerksamkeit und lässt die Ohren nicht so schnell ermüden. Gute Röhren erzeugen harmonische Verzerrungen, die den Ohren schmeicheln. Nach knapp einer Stunde war der Klang perfekt eingestellt.
5 Minuten früher als bestellt – so wie es jeden Tag sein sollte – rauschte Joachim Kerzel um 8.55 Uhr ins Studio und wollte sofort loslegen. Herr Kerzel hatte sich ausgesprochen gut auf die Texte vorbereitet und klärte innerhalb von ein paar Minuten noch mit dem Produzenten und den Regisseuren die letzten noch strittigen Textstellen. Dann schloss er die Tür des Aufnahmeraums hinter sich und verließ diesen am ersten Tag erst wieder um 17 Uhr. Es ist eine absolute Höchstleistung für einen Sprecher und Schauspieler, eine so lange Zeit am Stück zu sprechen. Die meisten sind am nächsten Tag völlig heiser und absolut fertig. Aber bei Joachim Kerzel hat man den Eindruck, dass er diese Art der Belastung liebt und auch braucht. Kerzel ist Perfektionist und eine wirklich sehr beeindruckende Persönlichkeit, die einem auch eine gehörige Portion Respekt einflößen kann. Seine Vorliebe für kontroverse Rollen und erschaudernde Texte scheint nicht von irgendwoher zu kommen. Er ist einfach die Stimme für Horror in Deutschland.
Für die Regie und das "Bändigen" der Sprecher hatte man sich im Vorfeld durch den Kontakt zur Voice 4U GmbH für die beiden Synchronregisseure und erfahrenen Schauspieler Sven Hasper (Foto oben) und Oliver Rohrbeck (mit Brille, daneben: Knut Jürgens) entschieden, die sich mit der Regie nach einem zuvor abgesprochenen Konzept abwechselten, um die Dauerbelastung dieser 5-Tage-Aufnahmen aufzuteilen, damit die Regie immer mit frischen Ohren bei der Sache sein konnte. Beim Synchronisieren gibt es weit mehr Möglichkeiten, eine kleine Pause einzulegen. Bei der Produktion von Hörbüchern muss man aber einfach dranbleiben, wenn es gerade richtig gut läuft.
Während der Aufnahmen saßen Tonmeister Knut Jürgens, jeweils einer der zwei Regisseure und Produzent Lars Peter Lueg zusammen im Regieraum, lasen die Texte aufmerksam mit und lauschten auf jedes Nebengeräusch und jede Unsauberkeit. Unter dieser Kontrolle von drei Augen- und Ohrenpaaren in der Regie auf der anderen Seite einer dicken Glasscheibe arbeitete sich Joachim Kerzel von Seite zu Seite und bannte so in fünf Tagen rekordverdächtige 250 Seiten Text auf ein Band, das natürlich eher eine Festplatte war.
Am vierten Aufnahmetag musste Herr Kerzel am späten Nachmittag zu einem wichtigen Synchron-Termin in ein anderes Studio, den er nicht verschieben konnte. Diese Zeit wurde genutzt, um mit David Nathan seine Rolle des Howard Phillips Lovecraft im Hörbuch "Der Cthulhu Mythos" zu gestalten und in aller notwendigen Sorgfalt aufzunehmen. Nach ein paar Stunden intensiver Arbeit waren die Takes im Kasten.
Am Freitag gab Joachim Kerzel noch mal so richtig Gas! Er war jetzt voll und ganz in die Tiefe der Texte eingedrungen und rezitierte Lovecraft so flüssig und leichtfüßig, als würde er aus "Harry Potter" vorlesen. Um 19 Uhr war dann der letzte Satz im Kasten, und Tonmeister Knut Jürgens fing an, CDs zu brennen. Am Samstagmorgen saß Produzent Lueg mit 29 CD-ROMs der Sprachaufnahmen im ICE nach Hause und genoss die Ruhe, die nur durch das Schnarchen seines Nachbarn leicht gestört werden sollte...
Es vergingen noch drei Monate, bis die 11 CDs (4 CDs "Der Cthulhu Mythos" und 7 CDs "Necroscope") fertig geschnitten, gemischt und gemastert waren. In der Zwischenzeit hatten Joachim Kerzel und David Nathan bestimmt schon wieder 20 Filme synchronisiert. Doch für die Tontechniker von LPL gab es in dieser Zeit nur Wasser, Brot, Kerzel und Nathan. Im Frühjahr 2003 werden die Aufnahmen für die zweiten Teile von "Necroscope" und "H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens" in Berlin stattfinden. Man wird sich wieder in den Bikinistudios treffen, wie die Wahnsinnigen arbeiten und hoffentlich Produkte erschaffen, die den Hörern gefallen werden. Alle Beteiligten werden sich wieder viel Mühe geben und all ihre Liebe und ihren Hass in Form von gesprochenem Wort auf kleinen runden Scheiben verewigen, um Deutschland das Gruseln zu lehren...
