Publikum wählte das beliebteste Hörbuch des Jahres 2002
Der Hörbuch-Publikumspreis des deutschen Buchhandels, der in der ARD-Radionacht am 21. März verliehen wurde, ging diesmal an "Der kleine Prinz" vom Patmos-Verlag, gelesen von Ulrich Mühe. Hörbuch-Hörer konnten aus rund 100 Hörbüchern ihre Lieblingstitel auswählen. Auf die Plätze 2 bis 4 kamen "Der Herr der Ringe", "Der Hobbit" und "Die Päpstin".
Seit sechs Jahrzehnten begeistert die Geschichte des kleinen Prinzen vom fernen Planeten kleine und große Leser. Patmos gab die Erzählung im Jahr 2000 anlässlich des 100. Geburtstags des Autors Antoine Saint-Exupéry als Hörbuch heraus. Damals bekam die Produktion direkt den Preis der deutschen Schallplattenkritik.
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Lesung
2 CDs in Metallbox
104 Min.
Patmos
Ulrich Mühe
1998
12,95
3-491-24058-1
Buchsv.de (portofrei) oder Amazon.de (zurzeit nur 9,50)
Der HörKules gründet sich auf eine Umfrage, in der Leser und Hörer per E-Mail und Postkarte aus 100 Vorschlägen jeweils fünf Wunschtitel auswählen. Mit dem ersten HörKules wurde im Jahr 2000 "Harry Potter und der Stein der Weisen" ausgezeichnet, gelesen von Rufus Beck (Bericht mit Video). 2001 gewann das Hörspiel "Der Herr der Ringe".
Unser Kommentar
Endlich wurde dem kleinen Prinzen die Hörkules-Ehre zuteil – verdient hat er es. Die weiteren Platzierten zeigen jedoch auch in diesem Jahr das Konzeptproblem: Nach vorne kommen immer dieselben. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn welcher normale Buch-Hörer kennt schon die restlichen 80, 90 Hörbücher, die ebenfalls auf der Liste standen?
Im Endeffekt entscheidet man sich für seine 1-3 Wunschkandidaten und wählt vielleicht noch zwei weitere aus – die unbekannten Titel bleiben automatisch auf der Strecke. Hinzu kommt die fehlende Transparenz bei der Auswahl der Nominierungen: Für den Wähler bleibt es verborgen, warum gerade diese 100 Titel zur Wahl aufgestellt wurden.
Der nächste Haken: Wenn in dem einen Jahr das zwölf Jahre alte Hörbuch "Der Herr der Ringe" gewonnen hat, warum steht er dann im nächsten Jahr wieder auf der Liste? Welchen Sinn macht ein Preis, wenn von gut 10.000 Titeln, die auf dem deutschen Hörbuchmarkt erhältlich sind, nur Verkaufsschlager auf dem Treppchen stehen? Hervorragende Produktionen engagierter kleinerer Verlage haben so kaum eine Chance. Besser wäre es, die Anzahl der Nennungen in ein Verhältnis zum Bekanntheitsgrad (Verkaufszahl) zu setzen, um so einen ehrlichen Gradmesser für die "Beliebtheit" zu ermitteln.
Die Hoerothek-Redaktion kritisiert nicht etwa deshalb, weil sie zum Gremium für einen anderen Preis gehört, sondern als Sprachrohr für alle Hörbuch-Hörer. Denn ein Publikumspreis ist sehr wünschenswert! Allerdings sind wir der Meinung, dass die Zeit reif ist für eine Konzeptänderung: mehr Transparenz (Zustandekommen der Nominierungen), mehr Werbung für den HörKules (selbst auf der Wahlseite Bookscene.de muss man mit der Lupe suchen) und vor allem bitte mehr Vielfalt.
Update: Hoerkules.de – unter dieser Adresse fanden Hörbuchfreunde bis Anfang Juni detaillierte Informationen zum Publikumspreis "HörKules": Interviews und Berichte zu den Preisträgern, über die Preisverleihungen und zur Leipziger Buchmesse, während der die Auszeichnung jährlich vergeben wird. Für die ausführliche Berichterstattung sorgte die Hoerothek-Redaktion, die die Adresse in Absprache mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels eingerichtet hat. Dieser wiederum hatte für die Hoerothek vorher bei der Buchmesse und dem Preisstifter "Buchwerbung der Neun GmbH" die Erlaubnis eingeholt.
Erstaunlicherweise hat die GmbH nun – nach der Preisverleihung und der parallel laufenden Berichterstattung – ihre Meinung geändert und der Hoerothek eine weitere Nutzung der Adresse untersagt, übrigens direkt per Anwaltschreiben ohne vorherige "seriöse" Kontaktaufnahme. Das gemeinsame Ziel der Redaktion, des Börsenvereins wie auch der teilnehmenden Verlage, interessierte Buch-Hörer zu informieren (auch kritisch) und somit für das Medium Hörbuch zu werben, wird so ad absurdum geführt.