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Im Krebsgang

TypLesung
ThemaDoku/Drama/Krimi
AutorGünter Grass
Umfang9 CDs
Laufzeit470 Min.
Verlagder hörverlag
Erscheinungsjahr2002
Preis79,90
ISBN3-89584-952-9
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SprecherGünter Grass


Inhalt

Im Jahre 1945, kurz vor Kriegsende, machte sich in Deutschland eine Schreckensnachricht breit, die die Nation schockierte. Aber schon wenige Zeit darauf schien das schlimme Ereignis vergessen, nie dagewesen, nie geschehen. Die Rede ist vom Untergang eines deutschen Flüchtlingsschiffs, der "Wilhelm Gustloff". Vollbesetzt mit Kriegsverletzten, Krankenpersonal, deutschen Müttern und deren Kindern, wurde es in einer eiskalten Januarnacht von dem sowjetischen U-Boot S13 in der Ostsee versenkt. Die größte Seekatasrophe, die jemals geschehen ist – vermutet werden über 9000 Tote, darunter mehr als 4000 Kinder. Aber keiner weiß genaue Zahlen, da es sich ausschließlich um Flüchtlinge handelte und es deshalb keine ausführlichen Dokumente über die Personen gab und gibt, die sich bei der letzten Fahrt des "Kraft durch Freude"-Urlaubschiffs an Bord aufhielten.

Eine der Personen, die sich gerettet haben könnte, ist Tulla Pokriefke. Eine extravagante, vitale Frau, die sich hochschwanger aus den eiskalten Fluten retten konnte und noch an Bord des Rettungsschiffs "Löwe" ihren Sohn Paul zur Welt brachte. Dieses Ereignis, tausendmal gehört, überlagert das Leben des Jungen, belastet ihn, entzweit ihn von der dominanten Mutter. Bis er, erwachsen und selbst Vater, eigenhändig mit der Recherche über Wilhelm Gustloff und dem nach ihm benannten Ausflugsschiff beginnt.

Es dauert nicht lange, bis Paul über eine stark nationalsozialistisch angehauchte Seite – www.blutzeuge.de – stolpert, die Hasstiraden gegen Ausländer und Juden popularisiert. Und noch schneller kommt Paul zu der Überzeugung, dass der Verfasser dieser Seiten nur sein Sohn Konny sein kann – ein böses Erbe der ewig zeternden Mutter und Oma Tulla. Eine atemberaubende Konfrontation mit Vergangenheit und Gegenwart lässt Paul nicht mehr zur Ruhe kommen, und ein Zusammentreffen mit Konny scheint unausweichlich. Bis die Vergangenheit sich wiederholt und vier Schüsse fallen...




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Fazit

Bestenliste September 2002 Ein einzigartig guter und fesselnder Roman. Grass hat die Geschehnisse und Hintergründe des Untergangs und das Leben, Wirken und Sterben des Nazi-Anhängers Gustloff akribisch recherchiert und es gleichzeitig verstanden, alle Fakten und Daten mit dem Handlungsbogen einer spannenden fiktiven Geschichte zu verschmelzen. "Im Krebsgang" ist stellenweise sachbuchähnlich aufgebaut: Der Hörer erhält eine Vielzahl an Informationen, die die Geschichte ebenso vorantreiben wie die hoch entwickelten Charaktere, die an zahlreichen Macken, Schrullen und Eigenarten leiden wie jeder Mensch. Der Hörer taucht mit spielerischer Leichtigkeit in den Roman ein, durchlebt mit dem Ich-Erzähler Paul die Vergangenheit, als geschähe sie gerade jetzt in diesem Moment. Grass liest seinen Roman selbst, gibt ihm so noch zusätzlich seine ganz besondere Note. Liest lebhaft, spannungsfördernd, weiß ausgezeichnet zu betonen. Eine Wiederauflebung einer totgeschwiegenen, verheerenden Seekatastrophe – besser hätte man sie nicht erzählen können.

Bewertungklasse!



Und was sagst du?

Rolf Helbig meint dazu: "Grass hat in fast allen seiner Werke die Tatsache - für mich - dargestellt, dass er am Thema knapp vorbei spricht. Ob das 'political correctness' ist oder lediglich die Fähigkeit, etwas außerhalb der genauen Perspektive anzupeilen, um vielleicht - laut Lao Tse - ein sogar tiefer detailiertes Bild zu erhalten, mag dahingestellt sein. Ich denke an 'Katze und Maus', an 'Die Blechtrommel', an 'Zunge Zeigen', und bedaure, dass es in Deutschland noch immer keine Geister gibt, die sich von der erdrückenden Hetzpropaganda freizumachen wagen, ohne es für nötig zu finden, jedwedem, der dahingehend den Mund öffnet, sofort den Kragen eines 'Rechtsgerichteten', 'ewig Gestrigen' oder was sonst noch von subtiler Deutschhetze benutzt wird, an den Hals zu knüpfen. Churchill hatte, glaub' ich, Recht: Man hat die Deutschen entweder zu Füßen oder an der Kehle!"

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