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HörGut: Einziger "Reclam"
unter den HörbuchverlagenKenner der Branche hatten abgeraten: Hochwertige Stoffe, sorgfältig editiert, mit einer umsichtigen Auswahl von Stimmen, und das zum kleinen Preis? Nein, das habe keine Chance auf dem Markt. Doch Norbert Jochmann und Oliver Schmerwitz hatten von Beginn an ihre Kritiker überzeugt. Ende 2004 gingen sie mit ihrem Hörbuch-Label "HörGut!" und sechs Titeln an den Start.
Mittlerweile stehen HörGut-Titel schon in einigen Bundesländern auf der Liste für empfohlene Lernhilfen. Denn HörGut setzte von Anfang an auf den Kanon der deutschen Literatur und eine Zielgruppe, die immer weniger liest: Jugendliche und Schüler. Das Unternehmen aus Hamburg, das besonders bei Schülern und Studenten ankommt, existiert nicht nur – es expandiert.
Das Programm wächst, die zweite Auflage der ersten Staffel ist bereits gepresst, von Kafkas "Verwandlung" sogar die dritte. Herausgekommen sind so unterschiedliche Texte wie Kellers "Kleider machen Leute" und Schillers "Verbrecher aus verlorener Ehre", neu im Angebot u.a. E.T.A. Hoffmanns "Das Fräulein von Scuderi" und Jakob Wassermanns "Das Gold von Caxamalca". Unmittelbar nach der Frankfurter Buchmesse wird ein zweites Grimm-Hörbuch und Ringelnatz mit "Kuttel-daddel-du-Gedichten u.a." erhältlich sein. Noch setzt der HörGut-Katalog der Länge wegen vornehmlich auf Novellen und Erzählungen. Doch das wird sich mittelfristig ändern.
Die Besonderheiten des HörGut-Programms werden beibehalten: Auf jeder CD gibt es eine ausdruckbare PDF-Datei (!) und einen Audiotrack mit biografischen Daten zum Autor. Das heißt: Die ungekürzt vorgetragenen Texte können nicht nur gehört, sondern auch mit- bzw. nachgelesen werden. Und da sich die Sprache, Wortbedeutungen verändert haben, da ungewohnte Wortwahl, fremder Satzbau gerade jungen Lesern oft den Zugang zum Genuss erschweren, sind entsprechende Erklärungen beigefügt.
Im Vordergrund steht immer die Orientierung an Autor und Werk. Die Sprecher sind durch Können qualifiziert und nicht dadurch, dass sie in einer populären Vorabendserie zufällig einem Massenpublikum bekannt geworden sind. Sabine Falkenberg, Martin May, Friedhelm Ptok, Stephan Schwartz, Matthias Wiebalck gehören dazu – also nicht nur unbekannte Namen.
Hauptargument für HörGut-Hörbücher ist und bleibt der Preis. Die Dreier-CD kostet 6,40 Euro, die Doppel-CD ist für 4,80 Euro, die Einzel-CD für 3,20 Euro zu haben. "Im Grunde gibt's mehr für weniger Geld", schrieb treffenderweise die "Frankfurter Rundschau".
Fazit: Wer gut gemachte Hörbücher mit sinnvoller Zusatzausstattung für ganz wenig Geld sucht, kommt an der der HörGut-Reihe nicht vorbei. Die Hoerothek hat die Erstlingswerke getestet und für rundherum empfehlenswert befunden. Also: zuschlagen!
Alle Titel findet Ihr auf der Verlagsseite www.hoergut-verlag.de, außerdem zum kostenpflichtigen Download bei Soforthoeren.de und Ohrbuch.net, wo sich je Titel noch einmal etwa 60-80 Cent sparen lassen. Wer die Buchmesse besucht, kann auch mal am Stand vorbeischauen: B 139 in Halle 4.1, Gemeinschaftspräsentation Hörbuch.