Hörcompany

Verlage stellen sich vor:

David gegen Goliath – so könnte man den Konkurrenzkampf zwischen den kleinen und großen Verlagen umschreiben, der täglich auf dem Hörbuchmarkt brennt. Zwar sieht der Alltag nicht ganz so mörderisch aus, aber durchsetzen müssen sich "die Kleinen" gegen die bekannten großen Namen doch. Und schaffen es meist mit interessanten Geschichten, die die Großen für nicht "effizient" genug erachten. Da sind wahre Schätze darunter, sodass oft genug auch der kleine David mit Auszeichnungen und Bestenlisten-Plazierungen für seinen Mut belohnt wird.

Es ist schon erstaunlich, was die Hörcompany so alles auf die Beine stellt – und dabei stecken dahinter "bloß" zwei Frauen: Angelika Schaack und Andrea Herzog. Hoerothek-Leser konnten ja bereits einen Blick hinter die Kulissen werfen, wie eine Hörbuchproduktion in Hamburg abläuft, was dabei zu bedenken, planen, vorzubereiten ist. Da tut es einfach gut, wenn die viele Arbeit mit guten Kritiken, renommierten Auszeichnungen und erfolgreichen Verkäufen belohnt wird.


– S T E C K B R I E F –

HÖRCOMPANY
Schaack und Herzog oHG

Jungmannstraße 15
22605 Hamburg
Tel. 040/8801411
und 8892616
Fax 040/8892618

gegründet am 29.2.2000

bisherige Produktionen
inkl. Herbst 2001: 21
geplant pro Jahr: 12-15

Die Themen, die die Hörcompany für ihre Hörbücher aussucht, reichen von Schätzen für Kinder von 4 bis 9 Jahren bis hin zu Hör-Literatur für Jugendliche (die so genannte "schwierige Zielgruppe"): erzählend aufbereitete Sachthemen und Zeitgeschichte. Und: Kinder- und Jugendliteratur mit Tiefgang und Pfiff. Texte, die sprachlich banal sind oder zuviel pädagogischen Zeigefinger hoch halten, kommen nicht in Frage.

Drei Dinge, die für den Verlag am wichtigsten sind: "Wir produzieren Geschichten, von denen wir überzeugt sind, d.h. die uns am Herzen liegen", erklärt Andrea Herzog. "Wir achten auf höchste Qualität der Produktionen. Und die Arbeit muss uns Spaß bringen."

Was ist der Hörcompany lieber: CD oder MC? Bei den 4- bis 9-Jährigen ist immer noch die gute, alte Cassette beliebt, wogegen CDs mehr von Jugendlichen gehört werden. Eindeutig fällt die Wahl zwischen Lesung und Hörspiel aus: "Eine Lesung erhält die Originalsprache des Autors. Bei Hörspielen muss sehr genau darauf geachtet werden, dass genügend Raum für die Phantasie bleibt und dass die Sprache nicht in den Hintergrund gerät." Wenn zum Beispiel gesagt wird: "es regnet", dann muss nicht immer Geplätscher zu hören sein – es gibt auch rein sprachliche Mittel und stimmliche Möglichkeiten, die Nässe vermitteln können.

Stefan Kurt

Mit bekannten Sprechern ist man bzw. frau auf der sicheren Seite: u.a. die Käpt'n-Blaubär-Stimme Wolfgang Völz, "Schattenmann" Stefan Kurt, dazu Manfred Steffen, Ilona Schulz, Hans Kremer u.a. Die Regie übernimmt bei jeder Produktion Angelika Schaack.

Zu den erfolgreichsten Produktionen des Hauses gehören die Titel "Kleiner König Kalle Wirsch" , "Deutsche Geschichte", "Ich und meine Schwester Klara". Doch Andrea Herzog fügt hinzu: "Nach unserer Einschätzung sind diese Produktionen wirklich toll, aber auch an den wunderbaren Produktionen 'Wish Me Luck' , 'Auf dem Strom' und 'Warum haben wir nichts gesagt?' wünschen wir viele Zuhörer." Der letzte Titel z.B. ist eine Geschichte über Zivilcourage, vorgelesen von einer eindringlichen, eigenwilligen Stimme.

Welche Projekte sind in der Zukunft geplant? Die Hörbuch-Freunde können sich auf weitere sehr schöne Lesungen mit ausgezeichneten Sprechern freuen, ebenso auf eine CD mit Balladen, außerdem auf etwas sehr Pfiffiges, Hörspielartiges – doch das soll natürlich eine Überraschung werden! Vorher aber kommt erstmal das Herbstprogramm: siehe unten.

Logisch, dass sich die Hörcompany in unserem Verlagsporträt auch kritischen Fragen stellen musste – beispielsweise, wie sie die Preise für ihre Produktionen rechtfertigt? Herzog: "Hart kalkuliert sind unsere Hörbücher eigentlich zu billig. Die Produktionskosten sind ziemlich hoch, auch wenn wir ganz viel daran selber machen ... es ist fast Selbstausbeutung!" – sagt's und grinst dabei.

Und allgemein betrachtet? "Das Hörbuch muss günstiger werden! Das hängt allerdings von den Auflagen ab (siehe England oder USA). Ein 50.000 Mal verkauftes Hörbuch kann logischerweise billiger sein als ein 2000 Mal verkauftes, denn die Herstellungskosten sind gerade bei hohen Auflagen nicht so teuer. Aber es wird ja bereits an vielen Stellen viel fürs Hörbuch getan, das macht uns Mut!"

Und wenn wir schon bei den mehr oder weniger hohen Preisen sind: Wie steht der Verlag zu illegalen MP3-Downloads? Auch die gibt es ja bereits von Hörspielen und Hörbüchern! "Tja, soll man es denn vor allem jugendlichen Usern übel nehmen, wenn sie versuchen, günstig an schöne Sachen heranzukommen? Keine Frage: Irgendwann müssen natürlich Sperren eingebaut werden."

Hörcompany

Wenn Sie einen Hörbuch-Skeptiker vor sich hätten, was würden Sie ihm sagen? "Setzen Sie sich mit einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein auf eine schöne Terrasse, genießen Sie den Blick in einen schönen Garten oder auf ein schönes Panorama – und lassen Sie sich vorlesen. Mein Tipp für Jugendliche: Kuschelt Euch zusammen, zündet eine Kerze an, hört zu und lasst das 'Kino im Kopf' entstehen."


Zum Abschluss der Porträts möchten wir den Verlagen die Gelegenheit geben, ihren Wunsch für die Zukunft zu formulieren. Andrea Herzog und Angelika Schaack wünschen sich schöne Texte, aufgeschlossene Verleger und Glück. Ihren Hörern wünschen sie gute Produktionen, Vielfalt zum Aussuchen und "viele Mithörer, damit die Hörbücher billiger werden können". Also, empfiehlt das Medium Hörbuch weiter – dass es sich lohnt, wisst Ihr ja.



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