Pro und Contra: Die wichtigsten deutschen
Auszeichnungen für Hörbücher

Künstlerische Auszeichnungen haben einen mehrfachen Sinn und Zweck. Sie ermutigen die Preisträger und bestärken sie in ihrer Arbeit. Preise bringen das jeweilige Werk einem breiten Publikum nahe – sie werben dafür. Die wichtigsten deutschen Hörbuchpreise stellen wir hier vor:

Die hr2-Hörbuchbestenliste

... wird seit Mai 1997 herausgegeben von der Kulturwelle hr2 und dem Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel in Zusammenarbeit mit dem »BuchJournal« und der Zeitschrift »Hits für Kids«. Ausgewählt werden besonders hörenswerte Neuerscheinungen des Monats, Ende November jeweils das »Hörbuch des Jahres« und das »Kinder- und Jugend-Hörbuch des Jahres«.

Zu den 21 Juroren gehören die Kritiker großer deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften, Schriftsteller und andere Persönlichkeiten des kulturellen Lebens: Hans Altenhein, Dieter Anschlag, Helmut Böttiger, Michael Cerha, Rosemarie Fendel, Franz-Josef Görtz, Volker Hage, Konrad Heidkamp, Jochen Hieber, Elmar Krekeler, Volker Lilienthal, Rolf Michaelis, Rainer Schmitz, Wolfgang Werth; zusätzlich für Kinder- und Jugend-Hörbucher: Roswitha Budeus-Budde, Hans-Heino Ewers, Paul Maar, Jan Uwe und Regine Rogge, Monika Steinkopf und Monika Trapp.

Die Ehrung ist Teil eines Hörfestes in der Stadt Wiesbaden, u.a. mit Lesungen in Stadtbussen, Präsentation von Schul-Hör-Projekten, einem Symposium und einem mit Publikumsbeteiligung inszenierten Hörspiel in einer Buchhandlung, Höhepunkt: feierliche Auszeichnung der Hörbücher des Jahres.

Preisträger waren u.a.: »Pnin« (DAV) und »Malka Mai« (Hörverlag) für 2002, »The Spoken Arts Treasury« (Hörverlag) und »Du bist da, und ich bin hier« (Hörcompany) für 2001.

Vorteil: gilt als renommierteste Auszeichnung für Hörbücher, festliche Ehrung; Nachteile: wenig Transparenz, knappe Begründungen



Der HörKules

... geht auf eine Initiative der buchhändlerischen Werbeagentur »Buchwerbung der Neun« (Bwd9) zurück und versteht sich seit dem Jahr 2000 als Publikumspreis der Hörbuchbranche. Der Preisträger wird durch eine groß angelegte Leser-Umfrage per Internet und Antwort-Postkarte ermittelt, wobei aus 100 Nominierungen fünf Favoriten gewählt werden.

Diese Nominierungen werden durch die Redaktion des Bwd9-Magazins »HörBuch« festgelegt: Maria Härtig, Hugendubel, Frankfurt; Heike Kallenberg, Bouvier, Bonn; Anne Künstler, Buchhaus Stern-Verlag, Düsseldorf; Ingrid Mangelsdorf, Thalia, Hamburg; Sigrun Richter, Schmorl & von Seefeld, Hannover; Matthias Thalheim, MDR Künstlerisches Wort. Die Preisverleihung findet auf der Leipziger Buchmesse in Kooperation von Bwd9, MDR und Leipziger Messe statt.

Bisherige Preisträger: »Harry Potter und der Stein der Weisen« (für das Jahr 2000), »Der Herr der Ringe« (2001) sowie die Patmos-Lesung »Der kleine Prinz« (2002).

Vorteil: keine End-Jury, Leser wählen ihre Favoriten selbst; bisherige Nachteile: fehlende Transparenz bei der Auswahl, wiederholte Nominierungen, nur Verkaufsschlager auf dem Treppchen, wenige Hörer kennen mehr als 10 Titel, halbherzige Werbung für einen Publikumspreis, keine eigene Website, teilweise peinliche Stimmenzahl für die Plätze 1-3

Die Bwd9 reagiert auf Kritik aus der Branche: Das Konzept ist weiterentwickelt, der Preis im Vorfeld der Messe auf eine breitere Basis gestellt worden.

Das neue Konzept: Die Sieger-Ermittlung erfolgt dreistufig: Die Leser wählen bis zum 31.12.03 aus 100 Produktionen die 25 Hörbücher aus, die ihnen am besten gefallen. Hieraus werden in einer Endausscheidung, die in mehreren Buchhandlungen stattfindet, fünf Finalisten gewählt. Am 26. März 2004 wird während der Hörbuchnacht der ARD auf der Leipziger Buchmesse der Gewinner des HörKules bundesweit per TED ermittelt.

Alle Teilnehmer an der Vorentscheidung im HörBuch-Magazin können mit dem NDR-Gewinnspiel eine "konzertante Reise" nach Hamburg gewinnen, wo der Besuch des NDR-Hörfunkstudios, eine Führung durch die berühmte Steinway-Pianofabrik und ein Klavierkonzert des NDR-Sinfonieorchesters auf dem Programm stehen. Übernachtet wird im Hotel Hafen Hamburg an St. Paulis Landungsbrücken. Weitere Preise sind ein Steinway-Bildband samt NDR-Hörbuch sowie Artikel aus dem Steinway-Shop.

Neuerliche Ungereimheiten, die der Redaktion aufgefallen sind: Offiziell sollen jetzt "diejenigen Titel und artverwandte Titel, die in den Vorjahren schon den HörKules gewonnen haben", vom Wettbewerb ausgeschlossen sein – warum also steht das Hörspiel "Die Päpstin" (seit Jahren ganz vorn dabei) wieder auf der Nominierungsliste? Ebenso meinen wir uns erinnern zu können, dass auch andere Titel bereits auf älteren Listen standen (wir lassen uns gerne korrigieren). Hinzu kommt die erstaunliche Tatsache, dass die Plätze 79 bis 86 von einer einzigen Hörbuchreihe (acht Krimis von Dorothy L. Sayers) belegt werden, was uns geradezu verschwenderisch erscheint – das beste Exemplar hätte als Stellvertreter dieser Reihe gereicht. Nebenbei wären 7 von 8 Plätzen für andere, eventuell kleinere Verlage frei geworden. Ingesamt sind nur Titel von 19 Verlagen nominiert worden (allein 20 Titel des Hörverlags und 16 des DAV), dabei gibt es in Deutschland gut 300 Hörbuchverlage.



Der Deutsche Hörbuch-Preis

... ist eine Initiative von WDR/WWF und wurde erstmals 2003 verliehen (Gala zum Abschluss der lit.COLOGNE in Köln). Ziel ist es, das wachsende Interesse am Hörbuch zu unterstützen und zu verstärken, den potenziellen Kunden eine weitere qualitative Orientierungshilfe zu geben und dem Medium ein noch breiteres Publikum zu erschließen, gleichzeitig die Produzenten zu Qualität und Innovation zu ermutigen. Das Preisgeld für die Gewinner beträgt insgesamt 20.000 Euro.

Konzept: Ein Auswahlgremium wählt aus allen Produktionen eines Jahrgangs (300 Titel in 2002) in fünf Kategorien die besten Titel aus, die von einer Fachjury bewertet werden. Das Gremium besteht aus: Cornelia Camen, Buchmarkt; Maria Härtig, Hugendubel; Anne Künstler, Sternverlag; Sabine Schwietert, Kritikerin; Martin Stankowski, Kritiker; René Wagner, Hoerothek.de. Die Jury: Thomas Böhm, Literaturhaus Köln; Jörg Drews, Hörspielpreis der Kriegsblinden; Ralf Niemczyk, Kritiker; Leslie Malton, Schauspielerin; Anna Mikula, Kritikerin; Martin Stankowski; Gert Ueding, Hörbuch des Monats, Uni Tübingen; Reiner Unglaub, Bayerische Blindenbibliothek.

Preisträger für 2002: »Die Reiterarmee« (Hörverlag) als bestes Hörbuch, »König der Könige« (Lido) als beste Information, »Fümms bö wö tää zää Uu – Stimmen und Klänge der Lautpoesie« (Urs Engeler) als beste Innovation, »Pnin« (DAV) als Beste Unterhaltung, Senta Berger für »Fräulein Else« (Kein & Aber) als beste Interpretation – mehr dazu in unserem Special.

Vorteile: neues Konzept, detaillierte Begründung auch für die Nominierungen, festliche Ehrung; Nachteile: noch nicht gefestigt, Anfangsprobleme



Weitere Auszeichnungen für Hörbücher

Hörbuch des Monats vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen. Jury: Gert Ueding, Peter Weit, Joachim Knape, Boris Kositzke, Olaf Kramer. Vorteil: detaillierte Begründung, warum ein Hörbuch ausgezeichnet wurde. Preisträger: »Durst«, gelesen von Harry Rowohlt (Juli 2003).

Preis der Deutschen Schallplattenkritik: 1980 von Kritikern gegründet, quartalsweise und als Jahrespreis vergeben. Jury: in deutscher Sprache publizierende Fachleute der Schallplattenkritik. Jahressieger: »Der Kleine Prinz«, Patmos, 2000.

Hörspiel des Monats/Jahres: seit 1977 von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt. Jury: jährlich neu gebildet, bewertet alle Ursendungen von Hörspielen, aus 12 Monats-Hörspielen das Hörspiel des Jahres. Preisträger: »Die Stimme des Hörers« (BR) 2002, »Metropolis« (BR) 2001.

Hörspielpreis der Kriegsblinden vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands (seit 1950) und der Filmstiftung NRW (seit 1994). Jährlicher Preis für den Autor eines urgesendeten Hörspiels. Jury: setzt sich aus 9 Fachkritikern und 9 Kriegsblinden sowie dem Vorsitzenden zusammen. Preisträger: »Rosebud« (2003), »Crashing Airplanes« (2002), beide WDR. Vorteil: Kompetenz und Renommée durch jahrzehntelange Arbeit.

Daneben gibt es viele weitere nationale und internationale Auszeichnungen für spezifische Genres, nur Hörspiele usw. Übersicht online: www.jokan.de/hoerspielpreise.html


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