Der dünne Mann
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Hörspiel
Krimi
Dashiell Hammett
2 MCs
ca. 120 Min.
der hörverlag
1998
16,50
3-89584-423-3
Amazon.de
Martin Reinke, Annette Paulmann, Leslie Malton u.a.
Der skurile und exzentrische Erfinder Clyde Wynant ist seit Monaten verschwunden, da wird seine Sekretärin und Geliebte Julia Wolf ermordet aufgefunden. Hat Wynant es selbst getan, vielleicht aus Eifersucht und enttäuschter Liebe? Oder vielleicht Wynants Ex-Frau, die alternde Mimi Jorgensen? Oder ihre nicht minder denkwürdigen Kinder, die kleinmädchenhafte Dorothy und der Bücherwurm Gilbert, der sich mit Vorliebe detaillierten Berichten grausamer Verbrechen widmet? Nick und Nora, das dekadent-reiche Pärchen – Nick war früher als Meisterdetektiv tätig –, rutschen in den Fall hinein und führen die Fäden zu einem überraschenden Ende zusammen.
Was an diesem Hörbuch gleichermaßen fasziniert wie langweilt, sind die Charaktere und die Stimmung des New York der 30er Jahre mit seinen Nachtclubs, Ganoven und der High Society, die sich auf Cocktailpartys mit Alkohol und verhaltenem Sex mühsam zu amüsieren versucht. Die Art, wie Nick Charles die Upper Ten und ihre verlogenen Rituale cool durchschaut (zu cool!), funktioniert in den zahlreichen "Der Dünne Mann"-Filmen hervorragend – um im Hörbuch kläglich zu scheitern. Man wird von Personennamen und Akteuren geradezu erschlagen. Außerdem vergeht keine Minute, in der nicht irgendwer ein Glas nach dem anderen mit Alkohol füllt – das ständige Gluck-gluck-gluck geht einem irgendwann auf die Nerven. Die Handlung plätschert vor sich hin, und so sehnt man sich fast dem Ende entgegen, nur um das Hörbuch hinter sich gebracht zu haben. Schade!
Andreas Rüdig meint dazu: "Hier liegt eine typisch amerikanische Geschichte vor. Sie wird eher episodenhaft erzählt. Körperliche Aktivität und Brutalität geht vor Geistesarbeit. Materialismus geht vor Idealismus – Geld ist die Motivation für jede Handlung. Liebe, Hass, Eifersucht sind nur einige Antriebskräfte, die lediglich eine Randerscheinung sind. Der Alkohol spielt hier eine Rolle, die ihm im klassischen europäischen Kriminalroman nie zugestanden wird. Glaubt man der Literaturwissenschaft, wollen die frühen amerikanischen Kriminalschriftsteller das Leben so darstellen, wie es ist: grell und ungeschminkt. Das vorliegende Hörbuch entwickelt so einen historischen und literaturwissenschaftlichen Charme, der das Hörspiel erst hörenswert macht. Die Geschichte ist einfach zu banal und oberflächlich, um wirklich zu überzeugen."
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